Reinhard Peukert:
 
     
   

 

 Gemeindepsychiatrie [6]

 
 

Merkmale der "Strukturqualität" seit der Enquete

   

 

   
Reduktion der Betten: von 1,8/1000 auf 0,8/1000 mehr als halbiert;
Bettenauslastung: von 101% auf 87% zurückgegangen;
durchschnittliche Aufenthaltsdauer: von 210 Tagen auf ca. 30 Tage zurückgegangen;
Dichte der ambulanten medizinischen Versorgung:
vor der Enquête: ein Psychiater auf 68.000 Einwohner,
heute: ein Psychiater auf 16.000 (in der Enquete war ein Psychiater auf 50.000 Einwohner gefordert worden)

psychiatrische Abteilungen:
von 44 auf 162 angestiegen; gleichzeitig:
Bettenzahl in Landeskrankenhäusern:
von ca. 1.000 auf 200 bis 300 je Klinik reduziert;
Zwangseinweisungen: auf 1% bis 5% drastisch zurückgegangen;
außerstationäre ambulante und komplementäre Hilfen: von Null auf eine beachtliche Anzahl, allerdings je nach
Region sehr unterschiedlich
(zusammengestellt aus: Saß in APK 27., S. 69ff; Häfner in APK Band 27, S. 96ff)
Personalbemessung in den Kliniken:
statt Bett als Maßstab, diagnostische und therapeutische Bedürfnisse der Patienten (Kunze in APK Band 27, s. 110) (Psych-PV, LINK auf Band 27, S. 110f)

Bei einem Vergleich von Plätzen und Mitteln für die Sektoren Krankenhaus, ambulante ärztliche Behandlung, komplementäre und ambulante Angebote ist die weiterhin vorherrschende Dominanz der ersten beiden Sektoren erkennbar:

Ein krasses Missverhältnis in der Verfügbarkeit von Hilfen

Grafik: Verfügbarkeit von Hilfen aufgeschlüsselt nach Jahresbudgets

aus: Peukert in Dierks, 2001

Der Wert dieser Strukturveränderungen erhöht sich nochmals, wenn man die Erfolge mit der realen Situation der Patienten vor der Enquete vergleicht:

Schon die erste Bestandsaufnahme bewog die Kommission, sich im Zwischenbericht vom 19.10.1973 auf die Versorgung chronisch psychischer Kranker zu konzentrieren. Der Zustand der Fachkrankenhäuser wurde als brutale Realität gebrandmarkt: 59% der Kranken waren mehr als zwei Jahre und 39% in Räumen mit 11 oder mehr Betten untergebracht. Den Kranken, die dort viele Jahre zu fristen hatten, stand oftmals nur eine Schachtel unter dem Bett oder ein Spind auf dem Korridor zur Verfügung. Unvorstellbar dünn war auch die Personaldecke und die fehlenden Möglichkeiten der Nachsorge. Im Mittel stand ein Sozialarbeiter für 715 und eine Beschäftigungstherapeutin für 740 Aufnahmen zur Verfügung. (aus: Häfner in APK Band 27, S. 94)