Neue Klienten im gemeindepsychiatrischen Netz  
     
   

Neue Klienten im gemeindepsychiatrischen Netz

Zur Zielgruppe gemeindepsychiatrischer Hilfen gehören Menschen mit schweren und/oder lang andauernden psychischen und Suchterkrankungen, auch in höherem Lebensalter. Sie kommen entweder mit der üblichen ambulanten ärztlichen Betreuung und/oder anderen ambulanten Angeboten in ihrem Lebensfeld nicht aus, bzw. kommt ihr Lebensfeld mit den Belastungen nicht zurecht. Nicht jeder erst- oder wiedererkrankte Mensch erhält gemeindepsychiatrische Hilfen, eine ganze Reihe kommt in ihren Lebensfeldern zurecht.

     

"Neu im System" sind aber nicht nur die ersterkrankten Menschen, die so schwer erkrankt sind, dass sie nach ihrer stationäre Behandlung umfangreiche Hilfen benötigen. Auch unterversorgte, allein oder bei überforderten Angehörigen lebende Menschen benötigen nach Krisen umfangreichere Hilfen. In verschiedenartigen Einrichtungen wie allgemeinen Wohn- oder Altenheimen, Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe oder auch in der Obdachlosigkeit leben Menschen mit psychiatrischem Hilfebedarf.

Das bedeutet, dass die Koordination der Hilfen vorübergehend oder dauerhaft durch eine begleitende therapeutische Bezugsperson nötig ist und zeitweise umfassendere Hilfen für diesen Mensch zu erschließen sind.
Eine Hilfeplanung für "Neue" muss zunächst schnell für einen kurzen Zeitraum erfolgen, d.h. für die nächsten drei Monate. Ein vollständiges gemeinsames Bearbeiten der Bögen ist meist nicht möglich, der "Mut zur Lücke" bedeutet in dieser Situation:

  • sich auf das Wesentliche konzentrieren, nur das festhalten, was gewusst, also vom Klienten berichtet wird (nichts dazu erklären);
  • keinen Verfahrensschritt auslassen, aber zum Beispiel beim Fähigkeits- oder Beeinträchtigungsprofil nur einige der im Vordergrund der Situation stehende Items klären;
  • Wenn keine Vorstellung zur gewünschten Lebensform vom Klient geäußert wird, die aktuelle oder verfügbare Lebenssituation stabilisieren.

Wichtig ist, bei "neuen" Klientinnen und Klienten sehr kurzfristig zu entscheiden, wer zunächst die koordinierende Funktion übernimmt, die Fallkonferenz einberuft und den vorläufigen Hilfeplan abstimmt. Die Unterscheidung zwischen der Verantwortung, dass Hilfeplanung geschieht, und dem Aufbau der Koordination durch eine therapeutische Bezugsperson ist dabei wichtig.

Die meisten "neuen" Klientinnen und Klienten mit dem Bedarf integrierter Hilfeplanung werden von Mitarbeitern der Klinik benannt, aber auch die Sozialpsychiatrischen Dienste und/oder Beratungsstellen sind häufig Vermittler. Mit der Trennung von federführender und koordinierender Funktion in der regionalen Fallkonferenz können dann Systemressourcen gesteuert werden.

Ein Beispiel aus den Verfahrensregeln des GPV-Reutlingen:
Entsteht im Kontakt zu einem Klienten der Eindruck, dass die Einsetzung einer koordinierenden Bezugsperson angebracht wäre, verständigen sich die GPV-Mitglieder und betreuenden Institutionen in Absprache mit dem Klienten über die personelle Besetzung dieser Funktion.

Der Klient erklärt schriftlich sein Einverständnis zur Ausübung der Fallkoordination durch den ausgewählten Mitarbeiter und entbindet die betreuenden Institutionen von ihrer Schweigepflicht gegenüber der koordinierenden Bezugsperson und umgekehrt.

Die koordinierende Bezugsperson informiert alle beteiligten Einrichtungen und Dienste schriftlich unter Hinzufügung der Schweigepflichtsentbindung über die Funktionsübernahme.

Ausgangspunkt für das Tätigwerden einer Fachkraft ist ein Auftrag. Gerade im psychiatrischen Bereich ist es jedoch häufig so, dass die von einem Klienten, von Angehörigen oder auch von anderen Diensten und Einrichtungen vorgetragenen Anliegen einerseits unabweisbar deutlich mache, das "etwas" getan werden muss, andererseits aber sowohl das Problem wie auch das Ziel der Hilfe eher allgemein und unklar beschrieben wird.

Eine wichtige Voraussetzung besteht darin, dieses Etwas zu präzisieren.
Eine konkrete Zielplanung mit Klienten und Angehörigen mit Hilfe des IBRP unterstützt diesen Vorgang.
Es kann zunächst nützlich sein, getrennte Übersichtsbögen für den/die Klienten/Klientin, für die eigene Einschätzung, für Angehörige und für Mitarbeiter anderer Einrichtungen kurz zu formulieren und erst dann in einem Gespräch zusammenzufassen.

 
  

 

     
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