Bündelung der Hilfen  
     
   

Bündelung der Hilfen

Wie die so erarbeiteten Hilfen zu bündeln sind, ist dann der zweite Schritt. Wenn ich einen Patienten besuche, sehe ich und spreche ich darüber, wie es ihm geht. Ich begleite ihn beim Einkaufen und spreche mit ihm bzw. helfe bei der Bewältigung seiner Ängste, bei der Ernährung, beim Geldeinteilen und überprüfe gleichzeitig, ob die verabredete Koordination der Hilfen gelingt.

Ich erledige also viele Dinge etwa bei einem Hausbesuch gleichzeitig.

Der Inhalt meines Hausbesuches ist aber vielschichtig und situativ bestimmt und erschließt sich erst, wenn ich vorher (Planung: An was muss ich heute denken?) oder hinterher genau darüber nachdenke.

"Gute" Klientenkontakte und gelungene berufliche Beziehungsaufnahmen leben von der Fähigkeit, Kontakte spontan und authentisch zu gestalten, ohne professionelle Aspekte auszublenden. Beziehungsarbeit scheint sich den Einschätzungen von Bedarf (Mitarbeiterwahrnehmung) und Bedürfnis (Klientenwahrnehmung) zu entziehen, und deshalb ist es wichtig, Hilfen in Hinblick auf Ziele zu definieren.

Ich bin also jetzt aufgefordert, die erforderlichen Hilfen zusammen mit den Klienten zu benennen und zu bündeln. Eine Möglichkeit ist, die Ziele zu nummerieren und danach diesen den angekreuzten Bedarf an Hilfen zuzuordnen. Eine andere Möglichkeit ist es, vom Vorgehen her zu überlegen: Wer sollte was machen, was lässt sich gut gemeinsam erledigen? Dafür muss ich wissen: Was kann ich, was kann mein Dienst, meine Einrichtung leisten, was können andere?

Als einen Vorlauf zu individueller Hilfeplanung ist es sinnvoll, wenn ein Team sich das eigene Angebotsspektrum erarbeitet. Um konkrete Arbeitsteilung mit Kolleginnen und Kollegen anderer Teams zu verabreden, bin ich zukünftig auch als Makler meiner Fähigkeiten, der Fähigkeiten meiner Kollegen und der Einschätzung der strukturellen Bedingungen unseres Teams tätig.

Folgende Überlegungen helfen hierbei:

  • Was ist die Struktur der Tagesstätte bzw. der Wohnheimarbeit und was kann ich dabei alles individuell machen?
  • Welche "Strukturen" eignen sich für was (z.B. kann auch beim vereinbarten gemeinsamen Wohngemeinschaftskochen durchaus etwa individuelle Beratung zu einem ganz anderen Thema geleistet werden).

Ich muss abschätzen können, wie viel meiner Arbeitszeit insgesamt durch Wegezeiten, Teambesprechungen, Dokumentation und Arbeitsstrukturen gebunden ist, um individuelle Vereinbarungen zu treffen oder individuelle Hilfen in die vorhandene Struktur einzupassen.

Hier gibt es zwei Leitfragen (Grundlage ist das Manual):

  1. Welche nichtpsychiatrische Hilfen können beim Erreichen der Ziele nützlich sein (Vorrang)?
  2. Welche psychiatrischen Hilfen sind zur Erreichung der Ziele notwendig?

Zur Klärung dieser Fragen ist der Zeitraum der Hilfeplanung unbedingt zu berücksichtigen.

Die Abstufungen im Bereich des Bedarfs an psychiatrischen Hilfen beinhalten quantitative und qualitative Elemente und sind als Anregungen für die Planung der konkreten Durchführung zu verstehen. Die Stufung des Bedarfes an nicht psychiatrischen Hilfen kann Hinweise geben, ob und wie viel an erhaltender und stützender Aktivität durch psychiatrische Fachkräfte nötig ist.

Dies gilt genauso für die Stufung der psychiatrischen Hilfen. Sie gibt dann auch Hinweise bezüglich Schwerpunktsetzungen.
Im Gegensatz zum vorherigen spaltenweisen Vorgehen soll jetzt bereichsweise (quer) im Zusammenhang mit den Spalten 3 und 4 vorgegangen werden.

Nach Bearbeitung der Spalte "Hilfen" sollten noch einmal die Angaben der ersten vier Spalten betrachtet werden. (Etwa: Es wurde ein sehr hoher und umfangreicher Bedarf an psychiatrischen Hilfen bei "Ernährung" genannt, Ernährung wurde allerdings nicht als Problem und nicht als Ziel definiert.) Es geht also auch hier wiederum um mögliche Vervollständigungen.

Hinweis: Zur besseren Lesbarkeit der Beschreibung der Stufung diese hier nochmals in großzügigerer Aufteilung:

Aktivierbarkeit, Verfügbarkeit nicht psychiatrischer Hilfen
0 keine Hilfen / Hilfspotentiale vorhanden
a geringe Hilfen / Hilfspotentiale vorhanden
b wesentliche entlastenden Hilfen / Hilfspotentiale vorhanden

Abstufung der Hilfearten und Hilfeausprägungen bezogen auf den Bedarf an psychiatrischen Hilfen
0 keine Hilfen notwendig
a Information und Beratung notwendig
b Erschließung, Erhaltung von Hilfen im Umfeld nötig
c individuelle Planung, Beobachtung, Rückmeldung notwendig
d begleitenden, übende Unterstützung notwendig
e regelmäßiges, intensives individuelles Angebot notwendig

  

 

     
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