aktivierbare nichtpsychiatrische Hilfen  
     
   

Umgang mit Netzwerken und allgemeinen sozialen Hilfen: aktivierbare nichtpsychiatrische Hilfen

Grundsatz der Arbeit ist es, dass qualifizierte sozialpsychiatrische Hilfen nur dann und nur dort eingesetzt werden sollen, wo sie unabdingbar notwendig sind.

Folgende Einschätzungen spielen eine große Rolle:

  • Welche Hilfepotenziale sind im unmittelbaren sozialen Umfeld (Angehörige, Freunde, Psychiatrieerfahrene, Nachbarn, Vereine, Bürgerhelfer) gegeben?
  • Welche Hilfen gibt es im Rahmen von Diensten und Einrichtungen aus der sozialen und medizinischen Regelversorgung?
  • Welche Hilfen existieren im Umfeld des Lebensortes (Kirchengemeinde, Läden, Park, Schwimmbad etc.)?

Ich muss bei dem Vorrang dieser Hilfen immer bedenken, welche Unterstützung notwendig ist, damit diese Ressourcen den Klienten verfügbar sind bzw. bleiben.

Gerade bei Angehörigen und Freunden als wichtigste Netzwerkstützen sollten Mitarbeiter vorrangig deren Belastung einschätzen können. Wie ist derzeit die Beziehung zu Angehörigen und Freunden, wie belastet (überlastet?) sind diese selbst? Die Stabilisierung der Stützen eines Klienten gehört mit zum Herstellen von "Netzwerken" und den "direkt klientenbezogenen" Tätigkeiten.

Es ist in der Regel immer eigener Einsatz nötig, um im Umfeld Dinge zu klären, zu arrangieren, selbst wenn die Klienten nicht direkt begleitet werden. Dieser Umfang ist bei den psychiatrischen Hilfen mit zu berücksichtigen.

Häufig sind die Mitarbeiter jedoch so stark im professionellen Netzwerk eingebunden, das ihnen meistens zuerst eine "psychiatrische" Hilfe einfällt.

Warum findet die Skatgruppe in der Tagesstätte statt und nicht in der Kneipe? Der Vorrang nichtpsychiatrischer Hilfen ist "dokumentationspflichtig" zu machen, etwa die Begründung, warum die Skatgruppe nicht in der Kneipe stattfindet.

Mitarbeiter stationärer und teilstationärer Einrichtungen haben im Beruf immer nur Kontakt zu anderen Professionellen - etwa niedergelassenen Ärzten oder Sozialarbeitern. Aus dieser "Vertrautheit" mit Behörden und Diensten geht manchmal der Blick auf scheinbar "unprofessionelle" Hilfen verloren. Ob ich einer Klientin des Besuch der Tagesstätte vorschlage oder diese täglich mit dem Hund der erkrankten Nachbarin losschicke, macht für die Einbindung in soziale Netze einen großen Unterschied.

Kollegen und Kolleginnen sozialpsychiatrischer Dienste können hier ein wichtiges "Wächteramt" wahrnehmen, indem sie bei ihrer Teilnahme an der Fallkonferenz - mancherorts auch Gutachterfunktion - auf dem Vorrang nichtpsychiatrischer Hilfen bestehen.

Hilfreich ist ebenfalls, wenn das Wissen und die Kontakte der unterschiedlichen Berufsgruppen und Altersgruppen im Team systematisch zusammengeführt werden. Auch die Ressourcen, die durch Mitarbeiter persönlich erschlossen werden können (private Kontakte zu potenziellen Praktika, Mitgliedschaft in Sportgruppen u.Ä.) sind hier von hoher Bedeutung für die "Normalisierung" der Lebensverhältnisse.

Übung    

Vielleicht erinnern Sie sich noch an unser Fallbeispiel Herr Weber. Welche Möglichkeiten nichtpsychiatrischer Hilfen fallen Ihnen für einen allein lebenden Mann ein, der gerne mehr Kontakte hätte, aber große Schwierigkeiten hat, Kontakte aufzunehmen ?

Bitte tragen sie alles an Möglichkeiten zusammen und schätzen Sie ein, was Sie Menschen in der Umgebung zumuten können und wie viel Unterstützung von Ihnen für solche Kontakte nötig sind.

Sehen Sie sich dazu auch noch einmal das Beispielvideo an.

 
       
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