Die Spalte Hilfen  
     
   

Ausfüllen der Spalte Hilfen

     

Vorab eine Warnung: Die Missachtung des ehernen Grundsatz "Nicht jede Beeinträchtigung löst eine psychiatrische Hilfe aus" ist meist schon unmittelbar auf dem Übersichtsbogen zu erkennen: Fein säuberlich wurde hier jede Spalte ausgefüllt und fast mit derselben Wertigkeit wie bei der Spalte der Beeinträchtigungen versehen. Als Grundlage von Fallkonferenzen sowie zur Arbeitsteilung und Koordination sind solche Vorlagen nicht zu verwenden. Deshalb ist in der neuen Version des IBRP die Stufung nicht mehr gleich gewichtet: die Intensität der Hilfen soll jetzt mit a) wenig bis d) viel Hilfe eingeschätzt werden, damit nicht automatisch die Wertigkeit von der Beeinträchtigung auf die Hilfe übertragen werden kann.

Es gibt eine "Faustregel" bei der Einschätzung von Hilfen: "Vorsicht bei insgesamt vielen kompensatorischen Hilfen (ankreuzen von c und d), denn die Gefahr der Überversorgung und der "erlernten Hilflosigkeit" ist zu bedenken. Was ist nötig, damit die Klientin bzw. der Klient selbst Erfahrungen machen kann?

Bei zu vielen fördernd-trainierenden Hilfen ist die Gefahr der Überforderung zu bedenken. Was kann eine Klientin bzw. ein Klient "verkraften"? Die Vielzahl der Möglichkeiten im Manual psychiatrischer Hilfen ist zunächst mit der Brille der erarbeiteten Ziele zu betrachten.

Hierzu ein Beispiel, das der Übersichtlichkeit wegen lediglich auf den Bereich II "Fähigkeiten, Fähigkeitsstörungen und Beeinträchtigungen bei der Aufnahme sozialer Beziehungen" bezogen ist.

 
         
Beispiel    

Beispiel: Herr Weber hat mit Frau Schmitt von der psychiatrischen Ambulanz folgende Ziele besprochen: Er will in den nächsten sechs Monaten neben anderen Zielen seine Ängste vor anderen Menschen angehen, indem er zweimal in der Woche die Tagesstätte besucht und einmal in den Patientenclub geht.

Herr Weber lebt allein und hat keinen Kontakt mit Nachbarn.

Bei Fähigkeitsstörungen in der Aufnahme und Gestaltung sozialer Beziehungen ist hier angekreuzt: II a im engeren Wohn- und Lebensbereich (3), Partnerschaft und sonstige familiäre Beziehungen entfällt, und II d im Außenbereich (1/2).

Durch die Brille des "Zieles" betrachtet, erschließt sich jetzt: Aktivierbare nicht psychiatrische Hilfen derzeit keine; Bedarf an psychiatrischen Hilfen II a (c), d.h. individuelle Planung, Beobachtung und Rückmeldung bei Besuchen in der Wohnung, und II d (d) begleitende, übende Unterstützung.

 
         
     

Videosequenz 2. Gespräch mit Herrn Weber 

 
         
Übung   

Holen Sie sich das Manual Hilfearten und Hilfeausprägungen und suchen Se sich die entsprechenden Hilfearten und Ausprägungen für 2a) und 2d) heraus. Welche Hilfeausprägung würden Sie Herrn Weber zuordnen?

 

  2 a) Im engeren Wohn-/Lebensbereich
(0) keine Hilfe
(a) Beobachtung und Einschätzung, Rückmeldung und Beratung über Verhaltensalternativen (Isolation, Überforderung, Konflikte);
(b) Erschließung von Hilfsmöglichkeiten im Umfeld, Unterstützung zur Erschließung oder zum Erhalt natürlicher Hilfspotentiale;
(c) regelmäßige Gespräche über die Beziehungssituation; Planung und Überprüfung von Verhaltensänderungen;
(d) aktive Begleitung in das Beziehungsfeld, Vermittlung, Einüben von Verhaltensänderungen;

(e) eigene Angebote zur Entlastung und Umstrukturierung des Beziehungsfeldes.

   
  2 d) Im Außenbereich (Außenkontakte)
(0) keine Hilfe,
(a) Beobachtung und Einschätzung, Rückmeldung und Beratung über Verhaltensalternativen;
(b) Erschließung von Hilfsmöglichkeiten im Umfeld, Unterstützung zur Erschließung oder zum Erhalt natürlicher Hilfspotentialen;
(c) regelmäßige Gespräche über die Beziehungssituation; Planung und Überprüfung von Verhaltensänderungen;
(d) aktive Begleitung in das Beziehungsfeld, Vermittlung, Einüben von Verhaltensänderungen;
(e) eigene Angebote zur Entlastung und Umstrukturierung des Beziehungsfeldes.
 

 
         
     

Konkret vereinbart wird dann, das Frau Müller und ein Mitarbeiter des Betreuten Wohnens sich zweimal wöchentlich in der Wohnung mit Herrn Weber verabreden und von dort zunächst mit in Tagesstätte und Patientenclub gehen.

Ohne die Ausrichtung an den Zielen würde ein "lineares" Übertragen vom "Grad" der Beeinträchtigung auf die Intensität der Hilfe zu nicht passenden Vorgehensweisen führen.

Wenn Sie sich den Übersichtsbogen aber genau ansehen, gibt es vor den psychiatrischen Hilfen noch eine kleine zugehörige Spalte: nichtpsychiatrische Hilfen.

Hierzu jetzt in der nachfolgenden Einheit einige Erläuterungen.

 
       
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