Fähigkeiten einschätzen  
     
   

Einschätzung von Fähigkeiten

Sehen Sie sich die Videosequenz zum Thema: Fähigkeiten einschätzen und Hilfen in der Umgebung herausfinden an.

Lehr-Video    

mit Realplayer

mit Windows Media Player

 

 
     
 
     

In dieser Spalte soll in Stichworten im Bogen notiert werden :

1. Unterstützende Fähigkeiten bei der Bewältigung psychischer Erkrankungen, eigenes Handeln zur Belastungsverminderung und/oder Spannungsreduktion. Hier soll in freiem Text eingetragen werden, welche Fähigkeiten für die Klientin bzw. den Klienten besonders zutreffen. Die Erläuterungen umfassen:

  • Informationssuche und Austausch mit anderen Betroffenen,
  • Wahrnehmung von Frühwarnzeichen,
  • Aussprache/Ausdruck von Belastungen,
  • sich etwas Gutes tun, sich ablenken können,
  • Sinn geben können, religiöse Erfahrung und Praxis,
  • Hilfepersonen aktiv anfragen und aufsuchen,
  • sich selbst ermutigen können.

Diese Punkte sollen Anregungen sein, ganz spezifische hilfreiche Erfahrungen und Eigenschaften im Gespräch zu erarbeiten und hier als Ressourcen der Person festzuhalten.

2. Stützende Beziehungen. Auch hier wird kurz in freiem Text eintragen, wer in Bezug auf die Ziele von der Klientin bzw. dem Klient als stützend/unterstützend erlebt wird. Im Gespräch sollten dabei die verschiedenen Möglichkeiten:

  • im familiären System
  • bei Freundinnen und Freunden
  • mit anderen Psychiatrieerfahrenen
  • im weiteren sozialen Umfeld

durchgegangen werden und dann die wichtigen Personen, deren Unterstützung für die angestrebten Ziele wichtig sind, benannt werden. Wenn irgend möglich sollten diese Personen nicht mit vollständigem Namen, sondern nach ihrer Funktion für die Klienten in den Übersichtsbogen eingetragen werden (Datenschutz!).

3. Besondere Fähigkeiten in den Lebensfeldern.
Auch hier wird kurz in freiem Text schildern. Als Anleitung für das Gespräch können die Items der nächsten Spalte "Beeinträchtigungen" dienen. Beim Ausfüllen dieser Spalte empfiehlt es sich, zunächst ein Beiblatt zu verwenden und dann erst in einem zweiten Schritt nur die wichtigen Punkte und Unterstützungsleistungen für das Erreichen der Ziele im vereinbarten Zeitraum in den Bogen einzutragen:

  • Selbstsorge,
  • Arbeit und Beschäftigung,
  • Tagesgestaltung und Teilnahme am öffentlichen Leben.

Hier soll benannt werden, über welche stützenden Fähigkeiten und Ressourcen die Klienten verfügen. Treten hier unterschiedliche Einschätzungen von Klient und Mitarbeiter auf, müssen diese auch getrennt dokumentiert werden.
Auch hier sind in den Übersichtsbogen für die Planung der Hilfen hauptsächlich die Fähigkeiten und Ressourcen festzuhalten, die im Hinblick auf die Ziele und gewünschte Lebensform gegenwärtig bedeutsam sind.

 

 
Beispiel    

Das wollen wir im Folgenden an einem neuen Fallbeispiel üben:

Beispiel: Herr Weber ist 54 Jahre alt und frühberentet. Er ist gerade aus einer betreuten Wohngruppe ausgezogen und lebt jetzt allein in einer winzigen 2-Zimmer-Wohnung in einer Kleinstadt. Herr Funk - ein Sozialpädagoge - hat ihn bisher betreut. Er will in die Weiterführung der Betreuung seine neue Kollegin mit einbinden. Er berichtet ihr kurz in der Teambesprechung:
Herr Weber führt sein aktuelle Befinden stets auf seine psychiatrische Erkrankung zurück, seine Berentung ist dabei für ihn überzeugender Beweis. Er findet sich sehr unattraktiv und hat wenig Selbstwertgefühl. Er lebte auch in der Wohngemeinschaft sehr zurückgezogen und ging Konflikten aus dem Weg.
Herr Weber trinkt gerne Bier und raucht viel und gern, was in der Wohngruppe eine ständige Quelle von Ärger mit den nicht rauchenden Mitbewohnerinnen war. Er kann derzeit nicht selbst kochen, weil der Herd in der neuen Wohnung noch nicht angeschlossen ist. Tagsüber hält er sich oft in der Stadtbücherei auf, wo er aktuelle Zeitschriften und Tageszeitungen liest.

 
Übung    

"Wenn Sie die neue Kollegin wären: Was würden Sie bei diesen Informationen nachfragen, um die Fähigkeiten von Herrn Weber herauszufinden und in den Bogen eintragen zu können?

Video-SequenzSehen Sie Beispiel-Videos der ersten Treffen von Herrn Weber mit der neuen Kollegin Frau Schmitt:

Windows Media Player 9 Download Zur Anzeige der Videos benötigen Sie den Windows Media Player 9 Klicken Sie das Logo an um ihn downzuloaden
Der Einstieg in das Hilfeplangespräch 5.261 KB - 2:34 min
Die Tagesstruktur 3.620 KB - 1:45 min
Freizeitaktivitäten 6.426 KB - 3:07 min
Interessen herausfinden 8.421 KB - 4:05 min
Maßnahmen verabreden 3.792 KB - 1:50 min
Ziele herausfinden 4.373 KB - 2:07 min
Situation einschätzen 6.225 KB - 3:01 min
Maßnahmen verabreden - 2. Zyklus 3.249 KB - 1:34 min
Ziele konkretisieren 14.814 KB - 7:12 min

 

 
     
 
 
Bitte klicken Sie jeweils an, 
um welchen Typ Frage 
es sich handelt:
Die Frage ist geeignet, um Fähigkeiten
herauszufinden
Die Frage ist neutral:
sie ist geeignet Informationen
herauszufinden mit denen wiederum Fähigkeiten
herausgefunden werden können
Die Frage findet nur Probleme,
keine Fähigkeiten
heraus
Was haben die früheren Mitbewohnerinnen an Herrn Weber geschätzt?
Wie sollte für Herrn Weber ein attraktiver Mann aussehen?
Trinkt Herr Weber in der neuen Wohnung mehr?
Erkennt Herr Weber selbst, wenn es ihm schlechter geht?
Hat Herr Weber schon mal selbst gekocht?
Wie beschafft Herr Weber das Geld für sein starkes Rauchen?
Meldet sich Herr Weber, wenn er Hilfe braucht?
Wie verhält sich Herr Weber in Konflikten?
Was hat Herr Weber früher beruflich gemacht?
Wie hat Herr Weber den Mut aufgebracht, umzuziehen?
Welche Probleme gab es bisher bei der Betreuung?
Trinkt Herr Weber in der neuen Wohnung mehr?
Mit wem spricht Herr Weber in der Stadtbücherei?
Was ist für Herrn Funk angenehm in der Betreuung von Herrn Weber?
Wie oft am Tag/ in der Woche verlässt Herr Weber seine Wohnung und für was?
Fähigkeiten neutral Probleme
 
 
 
     

An dieser Übung ist Ihnen deutlich geworden, das viele Fähigkeiten von Klientinnen und Klienten erst herausgefunden werden müssen. Fragen ist gut, aber noch besser ist es sie auch so zu stellen, das Sie und ihre Klientin / ihr Klient eigene Fähigkeiten dabei entdecken können.

Dabei hilft die grundsätzliche Vorstellung, die Lebensumstände als nicht nur erduldet sondern auch als aktiv hergestellt zu betrachten. (Konstruktivismus) Zum Beispiel können Sie die schlechte Angewohnheit, täglich mehr als 8 Stunden Fernzusehen auch als Fähigkeit betrachten, 8 Stunden das furchtbare Programm zu ertragen.

Diese "Umdeutung" macht nur Sinn, wenn sie Handlungsmöglichkeiten für Klienten im Hinblick auf ihre Ziele erschließt. Anderenfalls ist diese Übung in "flexiblem" Denken schlicht nur zynisch.

 
 

 

 

 

 
Zum Seitenanfang    
Eine Seite vorblättern Inhaltsverzeichnis anzeigen Nächste Seite anzeigen