Ziele konkretisieren  
     
   

Goal Attainment Scaling

Das Erreichen von Zielen kann skaliert (abgestuft, in Zwischenschritte unterteilt) werden. Eine sehr gut überprüfte Methode aus den USA (Goal Attainment Scaling) besteht darin, gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten eine solche Skalierung selbst zu entwerfen. Im Folgenden ist ein fiktives Beispiel abgedruckt (entnommen aus: STIEGLITZ/HAUG S. 194).
 

     
 
 
 

Zielerreichung Studium

Skala 1 Therapiecompliance

Skala 2 Soziale Kontakte

Skala 3 Arbeit bzw. Studium

- 2

Wesentlich schlechter als erwartet

Kein Arztbesuch, keine Medikamenteneinnahme

Keine sozialen Kontakte zu anderen Menschen

Erscheint jeden Tag verspätet zu den Vorlesungen (mehr als 30 Minuten)

- 1

Etwas schlechter als erwartet

Unregelmäßiger Arztbesuch – keine Medikamenteneinnahme

Soziale Kontakte zu einem Familienmitglied

Erscheint jeden zweiten Tag mit halbstündiger Verspätung

0

Erwartetes Ergebnis

Unregelmäßiger Arztbesuch – Medikamenteneinnahme nur auf Aufforderung durch andere

Soziale Kontakte zu zwei Familienmitgliedern

Erscheint einmal pro Woche mit halbstündiger Verspätung

+ 1

Etwas besser als erwartet

Unregelmäßiger Arztbesuch – selbstständige Medikamenteneinnahme

Soziale Kontakte zu einer Person außerhalb der Familie

Erscheint einmal pro Woche mit viertelstündiger Verspätung

+ 2

Wesentlich besser als erwartet

Regelmäßiger Arztbesuch – selbstständig Medikamenteneinnahme

Soziale Kontakte zu zwei oder mehr Personen außerhalb der Familie

Erscheint einmal pro Monat mit viertelstündiger Verspätung

 
 
 
     
 
 
Übung   

Bitte versuchen Sie dieses Beispiel einer gestuften Skala der Zielerreichung auf eines Ihrer Beispielziele für Frau Mauer anzuwenden. Benutzen Sie dazu das nachfolgende Beispiel:

 
         
     

Beispiel: Frau Schäfer ist 54 Jahre alt und lebt im vierten Stock eines Wohnhauses des Sozialen Wohnungsbaus. Die Wohngegend ist als so genannter "sozialer Brennpunkt" bekannt. Sie bewohnt allein eine 2-Zimmer-Wohnung.

Frau Schäfer ist in den vergangenen fünf Jahren ca. acht Mal stationär in der psychiatrischen Klinik behandelt worden; die Behandlungsdauer betrug zwischen vier und acht Wochen.

Die ärztliche Diagnose ist Schizophrenie. Frau Schäfer wurde jeweils in sehr verwirrtem und körperlich sehr schlechtem Zustand (Austrocknung, Abmagerung) in die Klinik gebracht; bei den beiden ersten Klinikaufenthalten hatten entfernt lebende Verwandte telefonisch das Gesundheitsamt informiert. Die folgenden extremen Verschlechterungen wurden über Besuche der Ambulanz der Klinik bemerkt.

Frau Schäfer nimmt ihr verordnete Medikamente sehr unregelmäßig ein und vergisst auch fast immer bestehende Nachsorgetermine in der Klinik, beim Arzt und auch angekündigte Besuche der Ambulanz.

Frau Schäfer ist Spätaussiedlerin aus der Ukraine. Sie lebt seit 15 Jahren in Deutschland und hat ca. 9 Jahre ihre Schwiegermutter in der jetzt noch bestehenden Wohnung gepflegt. Frau Schäfer spricht selbst sehr wenig. Wenn sie spricht, ist sie aber gut zu verstehen. Sie selbst versteht allerdings nach eigenen Aussagen nur wenig Deutsch.

Nach dem letzten Klinikaufenthalt beschließen die Pflegekraft und die Ärztin der Ambulanz, eine kontinuierlichere Betreuung sicherzustellen. Bisher wurde während der Klinikaufenthalte bereits Verschiedenes ausprobiert: Kontaktaufnahme mit dem Hausarzt, Vermittlung an eine Beratungsstelle für Spätaussiedler, Vermittlung von Kontaktbesuchen durch Mitarbeiter des Betreuten Wohnens, Vermittlung an ein Gruppentreffen vorwiegend älterer Besucher einer Kontakt- und Beratungsstelle. Alle weitergehenden Kontaktangebote wurden durch Frau Schäfer nicht wahrgenommen.

Die bestehenden monatlichen oder auch vierzehntägigen Treffen mit dem Krankenpfleger der Ambulanz werden hingegen gerne von Frau Schäfer wahrgenommen – sofern sie zu Hause ist. Die Gespräche haben im Wesentlichen den Inhalt, die Medikamenteneinnahme zu stabilisieren, die Übersicht zu den Wochentagen und Terminen zu behalten, die Essensvorräte ggf. gemeinsam zu ergänzen und überhaupt einen Kontakt zu stabilisieren. Um hier etwas zusätzlich zu bewegen, wird eine Berufspraktikantin für Sozialarbeit beauftragt, für vier Monate wöchentliche Besuche bei Frau Schäfer zu machen.

 
         
     

Die hier wiedergegebenen Spalten sind das Ergebnis der ersten 2 Treffen mit Frau Schäfer.

Aktuelle Problemlage:

  • starke Vereinsamung und Rückzugstendenzen, da kaum Kontakte im Außen- und im Wohnbereich;
  • Ablehnung von Kontaktangeboten im psychiatrischen und nichtpsychiatrischen (Freizeit-)Bereich;
  • extrem geringe Eigenaktivität;
  • herausgerissen sein aus den vertrauten Strukturen der Großfamilie durch die Übersiedlung nach Deutschland;
  • Distanz bzw. Nichtwahrnehmen eigenen Körpererlebens, der Erkrankung und von Schlaf- bzw. Aktivitätsphasen (sie geht nicht ins Bett zum Schlafen);
  • Frau Schäfer neigt dazu, eigene Fähigkeiten (Kompetenzen) herabzusetzen.

Ziele:

  • Förderung und Stärkung der Eigenaktivität und Außenorientierung durch wochenstrukturierende Aktivitäten und Hilfen.
  • Befähigung, das durch die Erkrankung beeinflusste Körpererleben auszusprechen;
  • Verbesserung des Tag-Nacht-Rhythmus.

Diese 3 Ziele sind sehr allgemein formuliert und deshalb wenig praktikabel. Wie würden Sie auf dem Hintergrund ihrer Erfahrung der Praktikantin helfen Sie besser zu formulieren?
 

 
Übung    

Bitte versuchen Sie alle 3 Ziele:

a) konkreter zu formulieren und

b) passende Überprüfungskriterien zur Zielerreichung zu formulieren.

 
       
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