Der Einstieg in die Hilfeplangespräche  
     
   

Der Einstieg in die Hilfeplangespräche

Eine Hilfestellung, um zu erkennen, welcher Einstieg in Hilfeplangespräche angemessen ist, bietet eine Systematik (nach de Shazer*), die von Mainzer Kollegen angewendet wird: Sie unterscheiden nach drei großen Gruppen von Klientinnen und Klienten:

     

 

 
     
  1. Diejenigen, die gleich Absichten, Wünsche und Bedarfe in Bezug auf die Betreuung äußern (Kunden). Mit ihnen kann man gleich in die Beratung von gewünschter Lebensform und Zielen einsteigen.
  2. Diejenigen, die eher abwartend und zögernd kommen ("Mal sehen, was die Mitarbeiter sich da wieder ausgedacht haben, das werde ich auch noch überstehen") (Besucher). Hier ist es hilfreich, die "Außenperspektive" als Einstieg zu nutzen: Kostenträger oder die Gesellschaft will eine Begründung und genaue Planung, für was das Geld ausgegeben wird.
  3. Diejenigen, die sich beschweren und beklagen (Kläger). Hier liegt der Einstieg über die Verabredung von Veränderungen auf der Hand.
 
Lehr-Video    

eine Beispiel-Videosequenz zum Thema: Situation einschätzen sehen Sie hier:

mit Realplayer

mit Windows Media Player

 
Übung    

Bitte lesen Sie sich die folgenden Beispiele durch und ordnen sie diese den Rollen "Kunde", "Besucher" und "Kläger" zu.

"Sie haben auf Grund ihrer Erkrankung ein Recht auf Behandlung bzw. ein Recht auf Hilfe zur Lebensgestaltung und Lebensbewältigung. Ich werde mit Ihnen jetzt Bögen bearbeiten, die ›Individueller Behandlungs- und Reha-Plan‹ heißen. Diese Bögen sollen helfen herauszufinden, welche Art von Hilfe sie genau brauchen. Ich möchte das mit Ihnen zusammen tun und gleichzeitig mit Ihnen überprüfen, ob das, was Sie im Moment bekommen, Ihren Bedürfnissen entspricht. Daraus soll ein Hilfeplan entstehen.

In diesem Plan sind die verschiedenen Lebensbereiche Wohnen, Tätigsein, Freizeit und Kontakte zusammen enthalten. Er kann aber nur funktionieren, wenn Ihre persönlichen Voraussetzungen und ihre Ziele einbezogen werden."

"Es gibt bestimmt einige Dinge in der Betreuung, die Ihnen nicht gefallen, die sie eigentlich anderes haben wollen. Um genau herauszufinden, wie es anders sein soll, möchte ich mit Ihnen jetzt einige Bögen besprechen. Bei der Beantwortung der Bögen sind Sie selbst nach ihrer Meinung gefragt. Sie sollen mitbestimmen, was Sie anders haben möchten, was Sie erreichen möchten. Wir sprechen über die Bögen und ich trage dann ein. Sie lesen anschließend noch mal nach, ob das so stehen bleiben kann. Das Ausfüllen der Bögen benötigt einige Zeit. Wir werden uns vielleicht nochmals verabreden. Deshalb sagen Sie mir bitte, wenn sie sich nicht mehr konzentrieren können.

Wir erarbeiten so gemeinsam einen Hilfeplan, der dann verbindlich abgemacht werden soll."

"Ich habe hier einige Fragebögen, die ich mit Ihnen ausfüllen möchte. Es geht um die Planung der Hilfen, die genau für Ihre Situation passen sollen. Es wird uns einige Zeit und Mühe kosten, diese Bögen gemeinsam auszufüllen, aber ich bin sicher, das sich der Aufwand lohnen wird. Die anderen und ich werden dann klarer sehen, wie und wo Sie leben wollen und welche Unterstützung Sie dafür brauchen. Wir werden uns einige Male treffen. Wenn es für Sie anstrengend wird oder sie eine Pause brauchen, können wir unterbrechen und einen neuen Termin vereinbaren. Wenn wir fertig sind, bekommen Sie zuerst den Bogen, um alles noch mal in Ruhe durchzulesen.

Sie sehen hier einige Bögen auf dem Tisch. Die sollen helfen herauszufinden, wo sie im täglichen Leben genau Hilfe und Unterstützung brauchen. Es geht um Fragen wie: Wo und wie möchten Sie wohnen? Soll alles so bleiben oder möchten Sie ihre Lebensumstände verändern? Welche Unterstützung brauchen Sie, um sich selbst zu versorgen? Ist Unterstützung nötig, damit sie aus dem Haus kommen oder mit Ihren Bekannten zurechtzukommen? Wir besprechen das und halten Ihre Wünsche fest. Wir versuchen Ziele für die nächsten Monate herauszufinden und welche Unterstützung sie dafür brauchen."

"Sie sind der Mittelpunkt dieser Befragung und bekommen die Möglichkeit, sich mit Ihrem Leben und den Folgen Ihrer Erkrankung auseinander zu setzen. Ich finde es wichtig, über die Art, wie Sie leben wollen, und ihre Erfahrungen zu sprechen. Damit wir nichts vergessen, möchte ich einiges aufschreiben, dafür sind diese Bögen da. Für mich ist es wichtig, ihre Erfahrungen zu verstehen, um sie zu unterstützen, ihre Krankheit zu verarbeiten.
Auch für Sie ist es wichtig, sich mit den Gedanken zur Zukunft, ihren Stärken und Schwächen auseinander zu setzen. Nur so können wir herausfinden, was die passende Hilfe für Sie ist.

Was Sie selbst tun können, wo und für was Sie noch Unterstützung brauchen, das ist Thema der Gespräche.
Dieser Individuelle Behandlungs- und Reha-Plan, den wir hier ausfüllen, ist eine Zusammenfassung aus unseren Gesprächen. Er soll zu besseren Lebensumständen beitragen und alle Hilfen, die sie bekommen, miteinander abstimmen."

"Sie (und wir) haben gestern Post vom Kostenträger bekommen, der Ihren Aufenthalt und Ihren Platz hier finanziert. Darin bittet der Kostenträger um einen Bericht über die Entwicklung im letzten Jahr und fragt, welche Perspektiven sich ergeben sollen. Das ist nicht so einfach zu beantworten, weil ja ein genauer Plan für die nächste Zeit gefordert ist.

Deshalb möchte ich mit Ihnen diese Bögen ausfüllen, damit wir einen solchen Plan gemeinsam entwickeln können."

 
      * Steve de Shazer: Der Dreh. Überraschende Wendungen und Lösungen in der Kurzeittherapie. Carl Auer Verlag, 8. Auflage 2004  
       
     
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